AF
Andrea Fertig Therapeut·vor 19 Tagen
ja diese Verunsicherung ist absolut nachvollziehbar. Ein Orthopäde findet nichts im MRT, die Physiotherapie hilft immer nur kurz, und nun sagt ein Osteopath, die Ursache liege im Darm und an den Nieren. Das klingt auf den ersten Blick tatsächlich weit hergeholt.
Ich möchte Ihnen erklären, warum dieser Gedanke aus osteopathischer Sicht nicht nur plausibel, sondern anatomisch gut begründet ist – und gleichzeitig ehrlich mit Ihnen sein, was die Evidenzlage angeht.
🔬 Der anatomische Hintergrund: Warum Organe Hüftschmerzen verursachen können
Der menschliche Körper ist kein Baukastensystem aus voneinander getrennten Teilen. Alles ist über Faszien, Bänder und das Nervensystem miteinander verbunden. Der Bereich, den der Osteopath bei Ihnen anspricht – Darm und Nieren in Bezug auf den Lendenbereich und die rechte Hüfte – ist anatomisch tatsächlich sehr eng verzahnt:
Die rechte Niere liegt anatomisch direkt hinter dem Dickdarm (Colon ascendens) und ist über das Ligamentum hepatorenale sowie über Faszien mit der hinteren Bauchwand und dem Musculus psoas verbunden. Der Psoas ist derjenige Muskel, der direkt von der Lendenwirbelsäule zur Hüfte zieht und damit eine Schlüsselrolle bei Hüft- und Beinschmerzen spielt. Spannungen oder eingeschränkte Mobilität der Niere können sich über diesen Faszienweg direkt auf den Psoas und damit auf die Hüfte übertragen.
Der Dickdarm verläuft im rechten Unterbauch (Colon ascendens und Coecum) in direkter Nachbarschaft zu den Iliakalgefäßen und dem Nervus femoralis. Chronische Spannungen oder sogenannte viszerale Dysfunktionen können die Durchblutung im kleinen Becken beeinträchtigen – und damit auch die Strukturen, die das Hüftgelenk versorgen. Es ist ein in der Osteopathie gut bekanntes Muster: Hüftprobleme, insbesondere rechts, gehen häufiger mit einer Funktionsstörung des Dickdarms einher als das orthopädische Befunde vermuten lassen würden. osteocrone.de
Das Konzept des sogenannten „referred pain" (übertragener Schmerz) ist auch schulmedizinisch anerkannt: Innere Organe können Schmerzen in Körperregionen erzeugen, die scheinbar nichts damit zu tun haben – ähnlich wie beim klassischen Herzinfarkt, der sich als Armschmerz äußert.
💡 Was erklärt Ihren konkreten Befund?
Ihr Bild passt gut in ein osteopathisches Muster, das ich aus der Praxis kenne:
MRT ohne Befund → der Schmerz hat keine strukturelle Ursache (kein Riss, keine Arthrose) – das ist zunächst eine gute Nachricht, weil funktionelle Ursachen oft besser behandelbar sind
Schmerz nach langem Sitzen → der Psoas und die Hüftbeuger werden beim Sitzen dauerhaft verkürzt – wenn dieser Muskel durch viszerale Spannungen bereits unter Vor-Spannung steht, wird er durch Sitzen zusätzlich belastet
Kurzfristige Hilfe durch Physiotherapie/manuelle Therapie → der Schmerz kehrt zurück, weil der auslösende Faktor (die viszerale Spannung) nicht behandelt wurde – das Muster spricht tatsächlich für eine übergeordnete Ursache
⚖️ Ehrliche Einschätzung zur Evidenzlage
Es wäre nicht fair, Ihnen das zu verschweigen: Die wissenschaftliche Evidenz für rein viszerale Osteopathie ist aktuell noch begrenzt. Es gibt kleinere Studien und viele positive Fallberichte, aber noch keine großen randomisierten Studien, die eindeutig belegen, dass viszerale Techniken bei Hüftschmerzen wirken. Ich denke das eine Weltweite "Studie" mit tausenden von zufriedenen Kunden ist sehr aussagekräftig. Denken Sie nicht?
In meiner eigenen Praxis erlebe ich regelmäßig, dass Patientinnen und Patienten, bei denen Orthopädie und Physiotherapie nicht nachhaltig halfen, durch viszerale Arbeit langfristig Linderung finden. Gleichzeitig arbeite ich weit über das Vicerale hinaus im Bereich Trauma und empfehle jeden der Hüft- oder Rückenbeschwerden hat über eine Darm-Leber-Kur nachzudenken. Es ist wie 2 im Jahr eine Zahnreinigung durchzuführen. Absolut notwendig schon als Prävention und wenn Beschwerden da sind erst recht.
✅ Meine praktische Empfehlung für Sie
Ein seriöser Osteopath wird nie ausschließlich viszeral arbeiten – er oder sie wird Ihren gesamten Körper befunden: Wirbelsäule, Becken, Hüfte, Nervensystem und die Organe. Die Behandlung sollte immer das Gesamtbild im Blick haben.
Ich würde Ihnen empfehlen:
Geben Sie dem viszeralen Ansatz eine faire Chance – mindestens 3 Behandlungen, um erste Veränderungen zu beobachten
Fragen Sie Ihren Osteopathen, ob er auch parietale (Gelenke, Faszien) und craniosacrale Techniken integriert – ein rein einseitiger Ansatz wäre tatsächlich unvollständig.
- Wenn Ihr Osteopath keine Darm Kuren anbieten informieren Sie sich über eine Möglichkeit in Ihrer Nähe oder melden Sie sich gerne bei mir.
Achten Sie auf Zwischenreaktionen: In den Tagen nach einer viszeralen Behandlung kann es vorübergehend zu Müdigkeit, Wärmegefühl oder veränderten Darmfunktionen kommen – das sind Zeichen, dass der Körper reagiert
Bleiben Sie in Verbindung mit Ihrem Orthopäden, um strukturelle Veränderungen ausschließen zu können
Sie sind keineswegs auf dem Holzweg – im Gegenteil: Die Tatsache, dass MRT und klassische Therapie keine nachhaltige Lösung gebracht haben, ist ein starkes Indiz dafür, dass die Ursache tatsächlich woanders liegt. Genau dafür ist die Osteopathie mit ihrem ganzheitlichen Ansatz das richtige Werkzeug.
Ich wünsche Ihnen von Herzen gute Besserung und den richtigen Therapeuten an Ihrer Seite.
Andrea Fertig Praxis für Osteopathie | Heilpraktikerin | Physiotherapeutin Langgasse 2 · 61267 Neu-Anspach · Taunus Tel.: 06081 966 9700 · www.osteopathie-praxis-taunus.de
F
fragensteller·vor 19 Tagen
Kenne ich so ähnlich. Bei mir waren es Schmerzen rechts im ISG, die mein Osteopath auch auf den Dünndarm zurückgeführt hat. Er hat aber immer beides behandelt, also die Organaufhängung und das Gelenk/die Wirbelsäule direkt. Ein rein viszeraler Ansatz, ohne die Struktur mitzunehmen, die ja am Ende schmerzt, hat bei mir jedenfalls noch nie was gebracht.