Techniken

    Parietale Osteopathie

    Behandlung des Bewegungsapparats: Muskeln, Gelenke, Faszien und Knochen

    Was ist Parietale Osteopathie?

    Die parietale Osteopathie – auch strukturelle Osteopathie genannt – beschäftigt sich mit dem Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers. Dazu gehören Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien.

    Ziel ist es, Bewegungseinschränkungen in diesen Strukturen aufzuspüren und zu lösen. Denn wenn ein Gelenk nicht frei beweglich ist oder ein Muskel dauerhaft verspannt bleibt, kann das weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Körper haben.

    Die parietale Osteopathie ist der ursprünglichste Bereich der Osteopathie, der direkt auf A.T. Still zurückgeht. Er entwickelte die Techniken basierend auf seinem anatomischen Wissen und seiner Erfahrung.

    Wirkprinzip

    Eine Bewegungseinschränkung in einem Gelenk führt zu Kompensationen in anderen Körperbereichen. Diese Kompensationen können selbst zur Quelle von Beschwerden werden.

    Durch die Wiederherstellung der normalen Beweglichkeit werden die Kompensationsketten durchbrochen und der Körper kann sich selbst regulieren.

    Techniken und Methoden

    Mobilisation

    Sanfte, rhythmische Bewegungen zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit. Der Patient ist passiv, während der Therapeut das Gelenk in alle Richtungen bewegt.

    Muskel-Energie-Techniken (MET)

    Der Patient arbeitet aktiv gegen einen sanften Widerstand. Durch die Muskelkontraktion und anschließende Entspannung verbessert sich die Beweglichkeit.

    Myofasziale Release

    Behandlung der Faszien und des Bindegewebes. Durch sanften, anhaltenden Druck werden Verklebungen gelöst und die Gleitfähigkeit verbessert.

    Counterstrain

    Eine schmerzfreie Haltung wird für 90 Sekunden gehalten. Dadurch entspannen sich verspannte Muskeln und Schmerz-Triggerpunkte lösen sich.

    HVLA-Techniken

    Schnelle, gezielte Impulse an Gelenken – das klassische 'Einrenken'. Nur nach sorgfältiger Prüfung, ob die Technik geeignet ist.

    Anwendungsgebiete

    Diese Technik wird häufig eingesetzt bei:

    Rückenschmerzen (akut und chronisch)
    Nackenverspannungen
    Nacken-Schulter-Arm-Syndrom
    Gelenkschmerzen (Knie, Hüfte, Schulter)
    Sportverletzungen
    Überlastungssyndrome
    Bewegungseinschränkungen
    Haltungsprobleme

    Kontraindikationen

    • • Frische Frakturen
    • • Akute Entzündungen
    • • Schwere Osteoporose (bei bestimmten Techniken)
    • • Bekannte Instabilitäten
    • • Tumore im Behandlungsbereich

    Wissenschaftliche Evidenz

    Für parietale Techniken, insbesondere bei Rückenschmerzen, gibt es vergleichsweise gute wissenschaftliche Evidenz. Mehrere systematische Reviews zeigen positive Effekte bei unspezifischen Rückenschmerzen.

    Auch für Nackenschmerzen und Spannungskopfschmerzen liegen vielversprechende Studienergebnisse vor.

    Mehr zur Studienlage

    Häufige Fragen

    Ist parietale Osteopathie das gleiche wie Chiropraktik?

    Nein. Beide arbeiten am Bewegungsapparat, aber mit unterschiedlichen Ansätzen. Chiropraktik fokussiert oft auf schnelle Justierungen der Wirbelsäule. Parietale Osteopathie ist Teil eines ganzheitlichen Konzepts und nutzt vielfältigere Techniken.

    Knackt es bei der Behandlung?

    Nicht unbedingt. Es gibt zwar Techniken, bei denen ein Knacken entstehen kann (durch Lösen von Gasbläschen im Gelenk), aber viele parietale Techniken arbeiten ganz ohne solche Geräusche.

    Ist die Behandlung schmerzhaft?

    In der Regel nicht. Manche Techniken können kurzzeitig unangenehm sein, wenn behandelte Bereiche empfindlich sind. Starke Schmerzen sollten während der Behandlung nicht auftreten.

    Hinweis: Die wissenschaftliche Diskussion zu einzelnen osteopathischen Techniken ist nicht abgeschlossen. Die Angaben basieren auf osteopathischer Lehrmeinung und klinischer Erfahrung.

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